Glossar: E

Eingriff
Beim Eingriff öffnet der Zahnarzt ambulant unter lokaler Betäubung das Zahnfleisch und präpariert den Kieferknochen, das so genannte Implantatbett, mit Spezialbohrern: Es wird ein zirka 3 bis 6 mm weites und 10 bis 15 mm tiefes Loch in den Knochen gebohrt, in welches das Implantat eingesetzt wird. Danach wird die Schleimhaut über dem Implantat wieder vernäht («geschlossene Einheilung», vom Implantat ist also erst mal nichts zu sehen) oder sie wird um den Implantathals adaptiert und vernäht («offene Einheilung»). Der Eingriff dauert je nach Anzahl der Implantate zwischen 30 Minuten und 2 Stunden und ist dank Lokalanästhesie in der Regel schmerzlos. Die Beschwerden nach der Operation sind meist gering und werden mit Schmerztabletten gelindert. Je nach Operationsmethode und Operationsdauer kann die Gabe von Antibiotika angezeigt sein.
Bei idealen Verhältnissen mit viel Knochenvolumen kann ein Implantat auch ohne Zahnfleischaufklappung eingesetzt werden, was nach der Operation für den Patienten praktisch keine Schmerzen und keine Schwellung verursacht. Diese Situationen sind jedoch insgesamt eher selten (< 10%).
Jeder chirurgische Eingriff birgt ein gewisses Komplikationsrisiko. Die häufigsten Komplikationen einer Implantatoperation:

  • Blutung
  • Schwellung und Hämatom (Bluterguss)
  • Infektion
  • Temporäre Empfindungsstörung
  • Gestörte Wundheilung.

Falls das Implantat nicht einheilt und entfernt werden muss, kann nach einer Wartezeit von einigen Wochen bis Monaten allenfalls ein neues Implantat geplant werden, sofern der Zustand des Knochens dies erlaubt.
Einheilung
Nach 7 bis 10 Tagen erfolgt die Wundkontrolle und Nahtentfernung. Die Patientinnen und Patienten erhalten genaue Instruktionen zur Mundhygiene, die sie einhalten müssen. Während der Einheilungszeit heilen die Weichgewebe über oder um das Implantat. Die Implantatschraube verbindet sich mit dem Knochen, indem dieser direkt auf der Implantatoberfläche anwächst (Osseointegration).
Unter normalen Umständen hat das Implantat nach rund 4 bis 8 Wochen mit ca. 60 bis 90% seiner Oberfläche einen festen Kontakt mit dem Knochen, weshalb dieser Zeitraum als empfohlene Einheilungszeit für Implantate ohne Knochenaufbau gilt. Während dieser Zeit soll das Provisorium keinen Druck auf die Implantate ausüben. Im nicht sichtbaren Bereich kann auf ein Provisorium auch verzichtet werden. In besonderen Fällen ist eine sofortige prothetische Versorgung nach der Implantation möglich: Das implantatgetragene Provisorium wird innerhalb von 24 Stunden eingesetzt.
Einheilung (geschlossen)
Bei einer geschlossenen Einheilung müssen die Implantate nach Abschluss der Knochenheilung durch einen kleinen Eingriff freigelegt werden. Nach der Freilegung des Implantats kann ein Abdruck genommen und im zahntechnischen Labor der Zahnersatz hergestellt werden.
Einsatz von Schallzahnbürsten
Nachdem Zahnimplantate gesetzt wurden, müssen sie ungestört während einiger Wochen im Kieferknochen einwachsen können. Die Einheilphase dauert bis zu zwei Monaten. Werden sie während dieser Zeit mechanisch bewegt, ist die Einheilung gefährdet. Bei der so genannten «offenen Einheilung» sollte während der kritischen Zeit vorsichtshalber auf die Benützung einer elektrischen Schallzahnbürste verzichtet werden. Sind die Implantate eingeheilt, können die Zähne problemlos mit Schallzahnbürsten gereinigt werden.
Entzündung
Trotz der hohen Erfolgsrate moderner Implantate haben Studien gezeigt, dass im Laufe der Zeit bei Implantaten Probleme auftreten können, die zwar nicht so schwerwiegend sind, dass das Implantat entfernt werden muss, die aber trotzdem eine Behandlung erfordern. Ähnlich wie die zahntragenden Gewebe des natürlichen Zahns können auch die implantattragenden Strukturen des künstlichen Zahns an einer chronischen Entzündung leiden, die zu Knochenverlust führt. Diese Krankheit heisst beim Zahn Parodontitis, beim Implantat Periimplantitis. Periimplantitis in unterschiedlicher Ausprägung kann nach fünf Jahren bei einem von zehn Implantaten nachgewiesen werden. Schreitet die Entzündung unerkannt fort, kann so viel Stützknochen abgebaut werden, dass das Implantat verloren geht.
 
Werden Bakterienbeläge auf Implantatoberflächen mehr als zwei Tage lang nicht entfernt, so reagiert das Zahnfleisch mit einer Entzündung. Im frühen Stadium sind nur die oberflächlichen Schichten des periimplantären Gewebes betroffen. Nach einer professionellen Reinigung und bei sorgfältiger Mundhygiene verschwindet die Entzündung wieder, ohne einen dauerhaften Schaden zu hinterlassen. Bleiben Bakterienbeläge jedoch längere Zeit auf dem Implantat liegen, so kann die zunächst harmlose Entzündung auch auf den Knochen übergehen. Dieser zieht sich allmählich zurück, und mit der Zeit bildet sich rund um das Implantat ein Knochenkrater. Periimplantäre Entzündungen verursachen keine Schmerzen und nur selten machen sie sich durch deutliche, von blossem Auge erkennbare Anzeichen wie Rötung, Schwellung, Blutung oder Eiteraustritt bemerkbar. Periimplantitis kann daher von der Patientin, dem Patienten unbemerkt weit voranschreiten, bis ein grosser Schaden entstanden ist. Deshalb sind regelmässige Besuche beim Zahnarzt oder der Dentalhygienikerin empfehlenswert. Die Überprüfung der Durchtrittsstelle des Implantats und allenfalls eine Röntgenaufnahme oder eine mikrobiologische Untersuchung helfen, periimplantäre Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zielgerichtet zu behandeln.
Erfahrener Zahnarzt
Die Implantologie ist in der Schweiz Bestandteil der zahnärztlichen Aus- und Weiterbildung an den Universitäten. Wichtig ist, dass jeder Fall richtig eingeschätzt wird; die Bandbreite reicht von relativ «einfachen» Implantaten im nicht sichtbaren Bereich bis zu komplexen Situationen (Frontzähne) oder erschwerenden Bedingungen (z.B. Knochendefekt) sowie komplexen prothetischen Sanierungen, bei denen das Können und die Erfahrung des Zahnarztes zentral sind. Da die Eingriffe heute tendenziell anspruchsvoller werden, sollte der behandelnde Zahnarzt über umfassende diagnostische und planerische Kenntnisse, eine gute Ausbildung in oraler Chirurgie, in rekonstruktiver/prothetischer Zahnmedizin sowie allenfalls bereits über den neu geschaffenen Weiterbildungsausweis (WBA) für orale Implantologie der SSO (Schweizer Zahnärzte-Gesellschaft) verfügen.
 
Am besten fragen Sie Ihren Zahnarzt, welche Leistungen er anbietet oder welche Fachzahnärzte er Ihnen empfehlen kann. Sie können sich auch in Ihrem Bekanntenkreis erkundigen, ob jemand gute Erfahrungen mit einem implantierenden Zahnarzt gemacht hat und dessen Adresse verlangen.
 
Die Kenntnisse und Fähigkeiten eines implantierenden Zahnarztes kann man bei einem ersten Besuch auch direkt erfahren. Wichtig zu beachten sind etwa folgende Aspekte:

  • Wie viele implantologische Behandlungen hat der Zahnarzt bereits erfolgreich durchgeführt?
  • Besucht er regelmässig Fortbildungen?
  • Arbeitet ihr Zahnarzt mit Spezialisten zusammen?
  • Fühlen Sie sich im Erstgespräch sorgfältig, umfassend und individuell beraten?
  • Erhalten Sie auch Informationen zu alternativen Behandlungsmöglichkeiten samt den möglichen Vor- und Nachteilen?
  • Werden Sie detailliert über Dauer und Kosten der Behandlung aufgeklärt?
 
Bei Fragen/Zweifeln finden Sie hier Informationen/Spezialisten:

  • beim eigenen Zahnarzt, der die persönliche und lokale Situation kennt. Entweder kann er die Implantattherapie selbst durchführen oder er übernimmt die Überweisung an einen erfahrenen implantologisch tätigen Kollegen
  • an einem der vier Zahnärztlichen Institute in der Schweiz, welche neutral beraten. Dies sind: Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Zürich, Zahnmedizinische Kliniken der Universität Bern, Université de Genève, Section de médecine dentaire, Universitätskliniken für Zahnmedizin der Universität Basel
  • direkt über die Internetseiten der Fachgesellschaften der Implantat Stiftung Schweiz. Dies sind: Schweizerische Gesellschaft für orale Implantologie (SGI), Schweizerische Gesellschaft für Oralchirurgie und Stomatologie (SSOS), Schweizerische Gesellschaft für Parodontologie (SSP), Schweizerische Gesellschaft für rekonstruktive Zahnmedizin (SSRD).
  • (Nicht ausnahmslos alle Spezialisten, die im Register der Fachgesellschaften aufgelistet sind, bieten eine Implantattherapie an.)
  • bei der Implantat Stiftung Schweiz, die eine Liste der in den verschiedenen Fachgesellschaften vertretenen Spezialisten aushändigt (www.implantatstiftung.ch)
  • beim jeweiligen Kantonszahnarzt (www.kantonszahnaerzte.ch)
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Was ist ein Zahnimplantat? Ein Implantat ist eine Schraube, meistens aus Titan, die durch einen chirurgischen Eingriff in den Kieferknochen eingesetzt wird und dort als Ersatz für die Zahnwurzel dient. Auf diesem künstlichen Pfeiler wird anschliessend ein Zahnersatz befestigt. Mit der Implantattechnik lässt sich ein einzelner Zahn ersetzen, eine grössere Zahnlücke versorgen oder eine abnehmbare Prothese im weitgehend zahnlosen Kiefer befestigen.